2017: 365 verdammt lehrreiche Tage.

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich diesen Artikel schreiben soll. Einen etwas anderen Jahresrückblick. So ist es mir bewusst, wie angreifbar ich mich dadurch mache und wie verletzlich er mich zeigt. Doch bin auch ich nur ein Mensch und so ist dieser Artikel die Chronologie eines Jahres, welches desaströs gestartet ist und doch so gut geworden ist. Ein Artikel der, vor allem mir selbst, Mut macht.

Letztendlich gab es in 2017 eine bedeutende Nacht und einen bedeutenden Nachmittag. Besagte Nacht war eine verheerende Nacht Ende Januar. Mir ging es bereits seit einem Monat nicht super gut, doch das hatte ich dem Vitamin D Mangel zugeschrieben. 2016 war ein tolles Jahr und ich war verdammt glücklich und dankbar. Es gab an sich nichts was mich traurig machen sollte, zumindest redete ich mir das immer wieder ein. Dass es mich dennoch plötzlich und mit dieser Wucht umhaut, damit hätte ich nie gerechnet. Ich hatte in dieser Januarnacht einen völligen Nervenzusammenbruch.

Erst Monate später habe ich verstanden, wie ernst die Situation tatsächlich gewesen ist und wie glücklich ich mich schätzen konnte, dass ich in der Nacht meine Mitbewohnerin hatte und in den darauffolgenden meine Mama und Freundinnen. Ich wusste nicht, was mit mir los ist und wusste mir nicht mehr zu helfen. In dieser Nacht habe ich beschlossen, von nun an meine (mentale) Gesundheit an erste Stelle zu setzen und das war die wichtigste und beste Entscheidung des Jahres.

Ich habe mich schnellstmöglich in psychologische Behandlung begeben. Ich habe jedoch Medikamente konsequent abgelehnt und mir stattdessen mit der Psychologin mehr als eine Hand voll Möglichkeiten überlegt, wie ich mich aus ähnlichen Situationen wieder herausholen bzw. diese abschwächen kann. Es gibt viele Wege zum Ziel und für mich war das der Richtige.

Dennoch waren die darauffolgenden Monate wirklich nicht einfach. Ich hatte mir dieses Jahr ausgemalt und Pläne gehabt. In der Uni, Berufsschule und auf Arbeit wollte ich mir natürlich auch nichts anmerken lassen und das Duale Studium unbedingt beenden (so etwas wie ein Urlaubssemester gibt es nicht). Da der Arbeitsstress nicht das war, was mich zu diesem Punkt gebracht hat, konnte ich mich auch gut damit ablenken. Die Strukturen und Tagespläne haben mir sehr geholfen.

Als ich dann im April schließlich alle meine Wünsche über den Haufen werfen konnte, war ich theoretisch wieder völlig frei. Praktisch habe ich mich weiterhin ganz schön leer gefühlt. Über Wochen habe ich wieder einfach nur funktioniert. Dann kam ein Morgen Ende Juni und ein Frühstück mit zwei meiner Lieblingsmädels. Ich habe ihnen erzählt, dass ich nicht mehr weiß, wie lange es noch so weitergehen kann. Das ich einfach nicht mehr wusste, wie lange ich die Leere in mir noch aushalten kann. Daraufhin meinte meine rechte Sitznachbarin nur, dass das erste halbe Jahr vielleicht nicht gut war. Ich könne aber ja einfach beschließen, dass es ab jetzt besser werden sollte. Wie recht sie behalten sollte.

Eben diese Wonder Woman erzählte mir kurz darauf von einem Jobangebot, welches für sie nicht in Frage kommt, aber für mich eine tolle Möglichkeit war. Also habe ich mich darauf beworben und wurde prompt zum Bewerbungsgespräch eingeladen. So war es die letzte Uni-Woche des letzten Semesters – Prüfungswoche. Mein Gespräch hatte ich an einem Montag. Am Dienstag habe ich eine Präsentation gehalten, bin danach zur Fashion Week gedüst und habe auf dem Weg nach Hause das Jobangebot erhalten! Das war der Nachmittag, der das gesamte restliche Jahr zum Positiven veränderte. Ich habe euch auf Instagram von diesem Nachmittag erzählt und es wurde deutlich, dass ich meinen plötzlichen Erfolg nicht fassen konnte.

Danach ging es in den letzten Monaten Schlag auf Schlag. Ich bin drei Tage später aus meiner WG und nach Hause gezogen, nur um vier Wochen später wieder nach Berlin ziehen zu dürfen. Mit mehr Glück als Verstand habe ich eine Wohnung bekommen, in welcher ich mich pudelwohl fühle und mit vereinten Kräften bin ich innerhalb von zwei Tagen eingezogen. Am Montag darauf begann auch schon meine Einarbeitung. Ein Job, der meinen Wünschen entspricht und in einem Team, in dem ich mich sehr gut aufgehoben und unterstützt fühle. Ende September habe ich meine Ausbildung abgeschlossen, arbeite seitdem Vollzeit und schreibe aktuell noch meine Bachelorarbeit. Es ist wieder viel Stress und ich merke wieder den Vitamin D Mangel dank der Winterzeit, aber ich fühle mich bisher dennoch ganz anders – viel besser. Ich habe besser gelernt nein zu sagen, mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und kann mich bei Bedarf in meinem eigenen, kleinen Reich zurückziehen.

Dankbar bin ich in diesem Jahr am meisten für zahlreiche Menschen. Für Menschen, die mir gezeigt haben, dass ich mich nicht mit ihnen und ihren Werten identifizieren kann und möchte. Menschen, die mir gezeigt haben, wie ich nicht mit anderen Menschen umgehen werde.

Allen voran aber natürlich für Familie und Freunde, die immer ein offenes Ohr haben und nicht müde werden mir Mut zu machen. Dankbar bin ich für meine ehemalige Mitbewohnerin und immernoch Freundin, da ich in besagter Nacht und in noch so vielen weiteren Zuflucht bei Ihr gefunden habe. Dankbar für die Freunde, die sich im Prüfungsstress noch einmal extra Zeit genommen haben, um mit mir den verpassten Stoff durchzugehen. Dankbar für Gespräche nachts um 3 Uhr in Leipziger Betten. Dankbar für Freundinnen die einen spontan einpacken, in Trips einplanen und für Ablenkung sorgen. Dankbar für die Selbstlosigkeit von Menschen, der Empathie und emotionalen Intelligenz meiner Freunde. Dankbar für all diese Alltagshelden.

Es war sehr schwer Hilfe anzunehmen und das obwohl ich wusste, wie dringend ich sie brauchte. Dennoch bin ich glücklich, dass ich es (endlich) getan habe. Ich habe dieses Jahr so viel über mich selbst gelernt, dass ich mich selbst und mein Umfeld ganz anders wahrnehme und viel besser verstehe. Das ich mit Situationen ganz anders umgehen kann. Mir geht es auch körperlich sehr viel besser. Dabei habe ich gerade einmal angefangen, diesen Weg bewusst zu gehen.

Was möchte ich mit diesem Text zeigen? Das wir es alle schaffen können. Das wir es alle gemeinsam schaffen können. Das wir ein Buch einfach nicht nach seinem Cover beurteilen können. Das Leben ist nicht einfach, zeitweise mehr als unpässlich, wir alle fallen hin und wir alle können wieder aufstehen. Das wir denken, dass das Schicksal uns scheinbar gerne mal üble Streiche spielt und wir am Ende doch feststellen, dass sich alles verdammt richtig anfühlt.

Psychische Probleme treten so viel häufiger auf, als wir es uns eingestehen und unserem Umfeld gerne zugestehen wollen. Depressionen oder depressive Verstimmungen sind keine Schande, dürfen aber nicht ignoriert werden. Es ist ok, nicht ok zu sein. Es muss endlich auch ok werden offen darüber zu reden, wenn es einem psychisch nicht gut geht. Wenn wir körperliche Probleme haben, gehen wir zu einem Arzt. Ein Psychologe ist, einfach gesagt, ein Arzt für unseren Kopf. Warum sollte es also etwas Schlechtes sein diesen aufzusuchen?

Ach ja, und das Gesetz der Anziehung (= Law of Attraction)? Das funktioniert wirklich. Googelt es.

Worauf ich mich im nächsten Jahr freue? Die Dinge etwas ruhiger angehen lassen zu können. Zuerst möchte ich natürlich den Bachelor beenden. Was dann meine Pläne sind? Mal schauen. Natürlich habe ich viele Ideen, aber welche ich in Angriff nehmen werde, entscheide ich in Ruhe im nächsten Jahr.

2017 war ein extremes Jahr. Es hatte noch so viel mehr Wahnsinn zu bieten als ich für euch niedergeschrieben habe und verdammt habe ich es dennoch gerockt.

 

Bilder: Domenika Spexard

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