Wann wird Fair Fashion endlich Mainstream?

Viele Großkonzerne verwenden inzwischen anteilig Bio-Baumwolle oder recycelte Materialien in Ihrer Kleidung. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber das macht die Kleidung noch lange nicht zu Fair Fashion. Fair Fashion hat keine 100% eindeutige Definition, es beinhaltet auf jeden Fall aber die ökologisch und ethisch korrekte Produktion von Kleidung. Das bedeutet, dass die Baumwollproduzenten_innen ihr Land weiterhin bewirtschaften, die Färber_innen nicht mit gefährlichen Chemikalien arbeiten müssen und die Näher_innen für einen Stundenlohn arbeiten der zum Leben reicht. Nicht nur zum Überleben. Dies sollte natürlich für den Konsumenten nachprüfbar sein. Transparenz ist hier das Stichwort. Das sind sehr hohe Anforderungen, keine Frage. Doch immer mehr Unternehmen werden diesen Anforderungen gerecht und gehen noch weiter, indem Sie ein Kreislaufsystem für Ihre Produkte anstreben und moderne und nachhaltige Stoffe wie zum Beispiel Tencel oder Lycell, welche aus Holzfasern gewonnen wird, verwenden. In meinen Augen ist das eine mehr als erfreuliche Entwicklung!

Doch warum sollte man nun genau aufhören Fast Fashion zu kaufen? (HIer meine Begriffsdefiniton) Schauen wir uns den Fast Fashion Markt ein kleines bisschen genauer an:

  1. Das Mikroplastik

Vor allem im Fast Fashion Bereich wird auf synthetische Fasern zurückgegriffen. Im Jahr 2015 stammten knapp 66 Prozent der für die Bekleidungsproduktion verwendeten Materialien aus synthetischen Fasern wie zum Beispiel Polyester. Diese werden aus Rohöl gewonnen, womit das Polyesterkleidungsstück nicht biologisch abbaubar ist. Schlimmer noch, bei jedem Waschgang werden bis zu 2.000 feine Mikrofasern aus dem Kleidungsstück herausgespült. (Quelle: NABU) Da Mikroplastik weder von der Waschmaschine noch von den Kläranlagen aus dem Wasser gefiltert werden kann, landet es über die Abwässer in Flüssen, Seen, Ozeanen und auch wieder in unserem Trinkwasser. Ja, auch in gekauften Wasserflaschen.

  1. Die Chemikalien

Ebenfalls im Jahr 2015 wurden 20.000 verschiedene Chemikalien in der Textilindustrie eingesetzt. Eine Menge, welche 30 Prozent der weltweit verbrauchten Chemikalien entspricht. Diese rufen auch nicht selten allergische Reaktionen beim Konsumenten hervor. Kein Wunder, tragen wir diesen Chemiecocktail auf unserer Haut, unserem größten Organ. Also neu gekaufte Kleidung sicherheitshalber immer vorher waschen.

  1. Die Baumwolle

Die Baumwollpflanze ist ein durstiges Gewächs. Dementsprechend verbraucht der Baumwollanbau Unmengen an Wasser, im weltweiten Durchschnitt werden bis zu 11.000 Liter Wasser für ein Kilogramm Baumwolle benötigt! Um die Flächen zu bewässern werden Flüsse umgeleitet, Seen angezapft oder in die Erde gebohrt. Auch in der Gegend um den Aralsee wurde jahrzehntelang Baumwolle angebaut und Wasser für die Bewässerung aus ebendiesen verwendet. Inzwischen ist nur noch ein Viertel der früheren Wassermenge im See vorhanden, was zur größten Menschengemachten Naturkatastrophe führte. Herkömmliche Baumwollpflanzen sind inzwischen ebenfalls oft genverändert und durch den höheren Pestizidverbrauch entsteht ein Teufelskreislauf und die Böden werden auf Dauer unbrauchbar. Hier ist Bio-Baumwolle definitiv die bessere, wenn auch nicht die perfekte Wahl.

  1. Die Bedingungen

Wenn ein T-Shirt 29 Euro im Geschäft kostet, beträgt der Gewinn der Fabrik im Schnitt 4 Prozent, also 1,15 Euro. Hingegen verdient der Einzelhandel satte 17€ daran. Insgesamt verbleiben 71% vom Ladenpreis des beschriebenen Shirts bei Unternehmen und im Einzelhandel. Ein_e Näher_in erhält im Schnitt 0,18€, das sind 0,6 Prozent vom Kaufpreis! (Quelle: Femnet)

  1. Der Konsum

Pro Jahr werden weltweit etwa 80 Milliarden neue Kleidungsstücke gekauft. Das macht 60 Teile pro Person und ist definitiv mehr als wir in einem Jahr auftragen können. Doch Fast Fashion Unternehmen triggern wie niemand anderes die Bedarfsweckung denn ja, das vierte, gleich aussehende weiße T-Shirt passt auch noch in den Schrank. Nur für den Fall. Aufgetragen wird es wahrscheinlich nicht und eventuell landet es sogar ungetragen im Müll. Doch so kann es einfach nicht weitergehen. Dieses Verhalten ist absolut sinnlos für unseren Geldbeutel und zerstört die Ressourcen von Mutter Erde. Auch wenn ich selbst noch viel zu gerne und viel Kleidung konsumiere, versuche auch ich stetig immer bedachter zu handeln.

Nun wird es aber auch Zeit für Alternativen. Nämlich die Marken die es besser machen und sich für einen nachhaltigeren Umgang mit dem Planeten einsetzen. Viele davon kannst du in meinem Fair Fashion Guide finden und noch viele mehr in den Weiten des Internets. Es gibt so viele gute Alternativen zu den großen, undurchsichtigen Modekonzernen. Scheut euch nicht in die Labels nach dem Produktionsland zu schauen und zu fragen woher die Kleidung stammt. Fordert Transparenz, es ist unser Recht als Konsument mehr über das Produkt zu erfahren, welches wir kaufen. Denn es ist Zeit Fair Fashion endlich in den Mainstream zu bringen! Wir denken vielleicht das wir als einzelne Person keine Stimme haben. Doch das stimmt nicht. Als Konsumenten_innen besitzen wir mehr als nur eine Stimme, wir besitzen Geld. Denn mit jedem Euro den wir ausgeben treffen wir eine Entscheidung. Warum also keine Gute?

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